Stolperstein Henni Lehmann
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Stolperstein Henni Lehmann

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Wiesenweg 2

18565 Vitte

Stolperstein der Hiddenseer Malerin Henni Lehmann Henni Lehmann - Tochter eines Berliner Arztes – heiratete 1888 den Jurist Karl Lehmann. Als selbstbewusste Persönlichkeit setzte sie ihre Liebe zur Malerei durch. Allerdings musste auch sie, wie viele andere Malerinnen ihrer Zeit, ihr Kunststudium auf privaten Schulen betreiben, welche sie wegen mangelnder Professionalität 1913 in einem Referat kritisiert. 1907 lässt sie auf Hiddensee ein Sommerwohnhaus für ihre Familie bauen, bei dessen Planung sie sehr darauf bedacht ist, dass sich das Haus in die Landschaft der Insel einfügt. So entstand eine Architektur, welche die Bauweise der schilfbedeckten Fischerhütten nachempfindet. Henni Lehmann war Zeit ihres Lebens gesellschaftlich sehr engagiert. So wurde auch ihr Sommerhaus auf Hiddensee zum gesellschaftlichen Treffpunkt. 1914 gründete sie, zusammen mit Pastor Arnold Gustavs und den Lehrern Berg und Gutzmann, den „Natur- und Heimatschutzbund Hiddensee“. „Im Jahre 1922 gründete Henni Lehmann den „Hiddensoer Künstlerinnenbund“. Die neben ihrem Haus stehende Scheune des Bäckers Schwartz wurde zum Ausstellungsgebäude „Blaue Scheune“ umgebaut. Hier konnten Künstlerinnen aus ganz Deutschland ihre Werke den auf Hiddensee weilenden Touristen zeigen. Leider hat sich aus dieser Zeit weder ein Gästebuch noch eine Ausstellungsübersicht erhalten. Nur die Namen der Künstlerinnen sind bekannt. Im Jahre 1934 verkauft Henni Lehmann die Blaue Scheune an Elisabeth Niemeier. Auch diese veranstaltete Ausstellungen in dem längst bekannt gewordenen Gebäude. Für Henni Lehmann, die konvertierte Jüdin, wurde das Leben auf der Insel immer schwieriger. Der Ort Vitte, in dem ihr Sommerhaus stand, warb in seinem Ortsprospekt ab 1922 mit dem Satz „Juden finden hier keine Aufnahme“. Die Insel Hiddensee war antisemitisch geworden. Im Jahre 1937 nahm sich Henni Lehmann – gekennzeichnet von einem Krebsleiden – das Leben.“ (Quelle – Hiddensee – Die besondere Insel für Künstler von Ruth Negendanck S. 56). Henni Lehmanns Liebe zur Landschaft und Flora der Insel Hiddensee spiegelt sich unwillkürlich in ihren Bildern wider, von welchen heute leider nur noch wenige erhalten sind.

Stolperstein Henni Lehmann in Vitte – Erinnerung an eine Hiddenseer Künstlerin

Der Stolperstein für Henni Lehmann in Vitte auf der Insel Hiddensee erinnert an eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten, die die Ostseeregion Mecklenburg-Vorpommerns je geprägt hat. Henni Lehmann, Tochter eines Berliner Arztes, setzte sich trotz der gesellschaftlichen Hürden ihrer Zeit als Malerin durch und studierte Kunst an privaten Schulen, die sie 1913 öffentlich wegen mangelnder Professionalität kritisierte.

Die „Blaue Scheune" – Henni Lehmanns Kulturprojekt auf Hiddensee

1907 ließ Henni Lehmann in Vitte ein Sommerhaus bauen, das sich bewusst an die traditionelle Bauweise der schilfgedeckten Fischerhütten anlehnte. Es wurde schnell zum gesellschaftlichen Treffpunkt. 1914 gründete sie gemeinsam mit Pastor Arnold Gustavs und weiteren Akteuren den „Natur- und Heimatschutzbund Hiddensee". 1922 rief sie den „Hiddensoer Künstlerinnenbund" ins Leben und baute eine Scheune zur „Blauen Scheune" um – einem Ausstellungsgebäude, in dem Künstlerinnen aus ganz Deutschland ihre Werke zeigen konnten.

Antisemitismus und das tragische Ende einer engagierten Persönlichkeit

Als konvertierte Jüdin wurde das Leben für Henni Lehmann auf Hiddensee zunehmend unerträglich. Der Ort Vitte warb ab 1922 offen mit antisemitischen Aussagen, und auch auf Hiddensee breitete sich der Judenhass aus. 1937 nahm sich Henni Lehmann, geschwächt durch ein Krebsleiden, das Leben. Ihre Bilder, die die Landschaft und Flora Hiddensees einfühlsam festhalten, sind heute nur noch in wenigen Exemplaren erhalten. Der Stolperstein in Vitte mahnt zur Erinnerung.

Anreise zum Stolperstein Henni Lehmann in Vitte auf Hiddensee

Hiddensee ist autofrei und ausschließlich per Fähre erreichbar. Die nächsten Fähranleger in Vitte – Vitte Passagiere (ca. 0,2 km) und Trajekt Vitte (ca. 0,3 km) – ermöglichen eine bequeme Anreise. Alternativ besteht eine Verbindung über den Anleger Kloster (ca. 1,8 km). Fähren nach Hiddensee starten unter anderem von Stralsund, das über die Autobahn A20 sowie per Bahn gut erreichbar ist.